Hail Überwachungsstaat

… oder „wie krank ist denn das?“

Beginnen wir mit einem Zitat von Wikipedia:

Der Begriff Überwachungsstaat beschreibt ein Szenario, in dem ein Staat seine Bürger mit allen zur Verfügung stehenden und staatlich legalisierten Mitteln überwacht. So sollen Gesetzesverstöße besser und schneller erkannt und verfolgt werden können. Befürworter führen die Verhinderung von Straftaten, organisierter Kriminalität und Terrorismus als Notwendigkeit für die Etablierung einer umfassenden Überwachung der Bürger an. Kritiker halten einen Überwachungsstaat hingegen für nur schwer oder gar nicht mit einer freiheitlichen Demokratie vereinbar. Außerdem weisen sie auf die schlechte Erfolgsquote bei Mitteln wie der Rasterfahndung hin.

Das der Staat die Freiheit der Bürger immer weiter eingrenzt und sie am liebsten auf Schritt und Tritt verfolgen würde ist schon lange kein Geheimnis mehr. Wie sowas im Detail aussehen kann steht in einem Bericht der TAZ. Hier mal die knackigsten Punkte aus dem Artikel:

Seit 2001 überwachten Bundeskriminalamt und Verfassungsschutz drei Männer aus Berlin. Erst waren sie Terroristen, dann Kriminelle und am Ende unschuldig.

    Na klar, kann ja jedem mal passieren, dass man unschuldig ist und trotzdem 7 Jahre überwacht wird. Ist ja nur zu unserer eigenen Sicherheit vor dem Terrorismus.

    GPS-Peilsender und Mikrofone im Wagen von Ernst-Jochen U., das WG-Telefon und Handys wurden angezapft, Kameras vor den Hauseingängen installiert, Kontobewegungen eingesehen.

      OK, jede Art von Privatsphäre ist damit wohl zerstört, und hätte es den Bundestrojaner schon gegeben, ich kann mir denken auf wessen Rechner er gelandet wäre. Und natürlich durch Eindringen in die Wohnung und manuellem Aufspielen des „Programms“, denn wenn man eh sein ganzes Leben dem BKA schenkt, dann dürfen sie auch persönlich kommen. Abgesehen davon wüsste das BKA eh sofort wo in der Wohnung der Rechner steht.

      Das BKA verwanzte sogar die Lieferwagen der Bäckerei, wo Ernst-Jochen U. arbeitete.

        Schön zu hören, dass auch gleich der Arbeitsbereich mit verwanzt wurde. Hätte sich dort auch ein Terrorist versteckt und seine Anschläge im Lieferwagen des Arbeitgebers geplant hätten sie ihn erwischt. Gleich 2 Fliegen mit einer Klappe geschlagen. Das dadurch sicherlich auch private Gespräche von anderen unschuldigen Mitarbeitern belauscht wurde kann man sicherlich verschmerzen, ist ja zu derer und unserer eigenen Sicherheit!

        2002 erhielt Jonas F. eine Telefonrechnung, auf der ein Telefonanbieter versehentlich 44 Euro Verbindungsentgelt für die Überwachung durch das BKA in Rechnung stellte.

          *rofl* … das ist zu genial und da fällt mir nicht viel zu ein. Vielleicht hatte das BKA beim belauschen erfahren, dass das Opfer eh nicht so genau auf die Telefonrechnungen schaut und wollte die Unkosten decken? 😉

          Ein Jahr später lasen die drei von sich im Focus-Magazin. Der Redakteur Josef Hufelschulte hatte über Jahre hinweg geheime Akten des BKA erhalten.

            Na eben, wenn man schon soviel Material gesammelt hat, warum nicht auch noch irgendwas sinnvolles damit anstellen und die Informationen unter die Leute bringen.

            Auch gegen seinen Sohn lief ein Verfahren, denn wegen enger sozialer Kontakte zu seinem Vater könnte er ebenfalls Mitglied der mg sein. Außerdem hat er seinen Vater am Telefon nach Sekunden- und Plastikkleber gefragt – womit man auch einen Brandsatz bauen könnte. Dass es dabei um die Reparatur von Zinnfiguren ging, wie Ernst-Jochen U. sagt, steht nicht in den Akten.

              OK, also wenn man im Erwachsenenalter noch einen engen Kontakt zu seinem Vater hat, dann ist man an allem beteiligt was er macht. Klingt durchaus logisch, wie kann es auch sein, dass ein Erwachsener noch Kontakt zu seinen Eltern hat? Spätestens mit 16 Jahren, allerspätestens ab 18 hat man sich gefälligst von seinen Eltern loszusagen. Sowas machen aber nur ehrliche Bürger, die kriminellen haben bis ins hohe Alter Kontakt zu den Eltern. Dann sollte man am Telefon auch nicht mehr sagen, dass man vorhin über Autobahn gefahren ist und jetzt erstmal duschen geht …nachher ist man noch der Anführer irgendeiner rechtsradikalen / neonazistischen Vereinigung.

              Bei der TAZ hat man die Spannung leider schon am Anfang rausgenommen, da der Artikel mit folgenden Worten beginnt:

              Seit 2001 überwachten Bundeskriminalamt und Verfassungsschutz drei Männer aus Berlin. Erst waren sie Terroristen, dann Kriminelle und am Ende unschuldig

              Veröffentlicht in Aus der Welt